Pete, ein  GM vom Bauernhof von der Ersten bis zur Letzten Stunde

 

Vorwort:

Als wir uns dazu entschlossen, uns einen Hund zuzulegen, hatten wir weder Hundeerfahrung, geschweige denn irgendwelche Vorkenntnisse von Jagdhunden und deren Bedürfnisse. Wir kannten einige Leute, die sich KIM`s  hielten, schon diese KIM`s faszinierten mich. Wir wohnen in einem kleinen Ort im Harz mit Reihenendhaus, von Wald und Feld keine 400 m entfernt. Außerdem hatten wir 2 kleine Kinder, unsere Tochter Julia, geistig behindert, und unseren Sohn Christoph, heute beide erwachsen. Auf eine Anzeige hin „Münsterländer abzugeben“ meldeten wir uns und besichtigten ihn. Die Bauernleute berichteten, er wäre schon einmal vermittelt gewesen, doch der junge Mann, der ihn zunächst zu sich nahm, wäre mit ihm nicht klargekommen, weil er viel gebellt hätte in einer Hochhauswohnung. Außerdem vermuteten sie, dass er geschlagen worden sei, sobald er eine Leine sähe, bekäme er panische Angst. Nun gut, mir als damals völlig Hundeunerfahrener sagte das nicht viel,so nahmen wir ihn bei uns auf. Die Bauernleute nannten ihn übrigens „Petermann“, wie ich finde, ein komischer Name. Ich versuchte etliche andere Namen, aber irgendwie musste ein „PE“ im Namen enthalten sein, so nannten wir ihn dann kurzerhand „Pete“, und er hörte auch gut darauf. Ich habe mich ein wenig belesen über die Erziehung von Hunden und habe mir Tipps von anderen Hundehaltern zur Erziehung (Sitz, Platz, usw.) eingeholt, und das klappte auch gut. Übrigens war Pete 7 Monate alt, als er am 24.09.1991, dem 31. Geburtstag meiner Frau, zu uns kam.

 

Glück im Unglück: Bellen

Wie schon erwähnt, wohnen wir in einem Reihenendhaus mit Garten. Es gibt immer mal Situationen, (Einladung zum Geburtstag, Krankenhausaufenthalt usw.), wo ein Hund nun mal nicht mit kann, und er allein sein muss. Jedenfalls stellten wir fest, wenn wir weg mussten, fing ein furchtbares Gebell an. Wir reagierten auf das Gebell auf verschiedene Art und Weisen, aber niemals mit Gewalt. Aber je mehr wir auf sein Gebell eingingen, setzte Pete noch einen drauf. Er zerstörte eine komplette Telefonanlage, machte aus der Lederjacke meiner Frau ein Puzzle und zerfraß etliche paar Schuhe, wenn er mal allein sein musste. Sachen zu verstecken nutzte nicht viel, er konnte Türen problemlos öffnen. Viel Glück hatten wir mit unserem Nachbarn, einem sehr freundlichen, einem heute 94-jährigen, sehr netten Mann , dem das Gebelle nichts ausmachte, er lebte im Nachbarhaus allein. Er war froh, wenn er irgendetwas um sich herum hörte, sei es ein Hundegebell. Anmerken hierbei muss ich noch, dass wir Pete sehr selten, in der Anfangsphase überhaupt nicht allein im Haus gelassen haben.

Aus diesen Tatsachen des Verhaltens von Pete heraus, wenn er allein war, waren wir eines Tages dermaßen mit den Nerven runter, dass wir auf sein Bellen, wenn sich die Haustür schloss, überhaupt nicht mehr reagierten. Und siehe da, das Bellen und die Zerstörungswut ließen nach und stellten sich schließlich ganz ein. Aber auch in der Phase des Bellens war Pete unverzichtbar, wenn wir alle zusammen waren. Er war ein totaler „Schmusebär“, so richtig böse konnte man ihm gar nicht sein. Er hat uns immer, egal was wir auch taten, eine Ausgeglichenheit vermittelt, seine Anwesenheit war eigentlich eine Art „Wellness“.

 

Freizeit:

 

Die Freizeitgestaltung mit Pete war sehr angenehm und hat großen Spaß bereitet. Wir unternahmen kilometerlange Radtouren, er lief am Rad mit und ohne Leine. Wenn ich mit ihm durch Felder und Wälder fuhr, beobachtete ich stets seine Gangart und bemerkte sehr früh, wenn er irgendwas interessantes witterte. Ich redete in solchen Situationen mit ihm, so war er wieder schnell abgelenkt. Eigentlich redete ich viel mit Pete. Während unserer Touren und an bestimmten Orten in Wald und Feld legten wir Zwischenstopps ein, wo Pete sich an etlichen Mauselöchern zu schaffen machte. Stöckchen– und Ballwerfen war sowieso Pflicht, Wenn er dazu keine Lust mehr hatte, machte er sich oft daran, ganze Büsche auszuroden, manchmal überschätzte er sich und versuchte sich an Bäumen, wie hier im Bild rechts zu sehen ist ;)

Tag für Tag unternahmen wir solche Touren, und so hatten wir abends einen ausgeglichenen Hund.

Mit zunehmenden Alter passten wir die Länge der Touren und Spaziergänge an , sie waren dann nicht mehr so intensiv, je nachdem wie Pete drauf war.

 

Urlaub:

Bevor wir uns einen Hund zulegten, waren wir uns natürlich auch im Klaren, dass wir ihn im Urlaub nicht überall mit hinnehmen können. Also entschlossen wir uns, unsere künftigen Urlaube in Dänemark, z.B. auf Römö zu verbringen. Hundefreundlich, kilometerlange Sandstrände, ein Paradies für Hunde, und vor allem auch gestattet. Häuser mit Haustiererlaubnis dort zu bekommen, ist kein Problem. Pete fuhr auch sehr gern im Auto mit. Sobald wir eine Reisetasche gepackt hatten, legte er sich auf sie, dass wir ihn ja nicht vergessen würden ;)

In Dänemark angekommen, war er immer total aufgeregt. Am Strand war für ihn immer laufen, baden und Möwen jagen angesagt, stundenlang. Allerdings mussten wir ihm bei Waldspaziergängen, aber auch nur in Dänemark, (Leinenpflicht im Wald)  ein sogenanntes   Würge- Halsband anlegen, ansonsten war kein „normales“ Spazieren gehen ohne Muskelkater in den Armen möglich, so aufgeregt war er jedes mal, Aber meistens waren wir am Strand, wo er frei laufen konnte.

Ach ja, da hatte Pete noch ein Hobby: Drachen jagen. Jedes mal, kurz bevor der Drachen startete, legte Pete sich hin , sicherlich wollte er dem Drachen eine Chance zum Entfliehen einräumen ;) Ab und an steuerten wir den Drachen auch auf Bodennähe, so dass Pete auch einige Erfolgserlebnisse bei seiner Jagd auf den Drachen hatte,  Wenn er in Pete`s Reichweite kam, gab es für den Drachen kein zurück mehr. Ich bin heute noch davon fasziniert, welche Geschwindigkeiten Pete auf seiner Drachenjagd hervorbrachte. Unglaublich, denn solch ein Lenkdrachen ist schnell, auch in Bodennähe.                                                                                

 

 

Pete`s Revier zu Hause

 Ja, das war Pete`s Revier, Zuerst gingen unsere gemeinsamen Touren oben durch die Wälder, dann wieder hinunter über lange Feldwege zu einer seiner Lieblingswiesen, wo er Krähen, Tauben und im Herbst auch Lenkdrachen nachgejagt ist. Und es gab auf dieser Wiese ganz besonders viele Mäuselöcher ;). . .  und versteckte Leckerli, nach denen er eifrig suchte. Wenn das Wetter es erlaubte, sind wir auch gern an die nahegelegene Innerstetalsperre gefahren, wo Pete dann ausgiebig schwimmen konnte.

 

 

Umgang mit Kindern                                    

Über den Umgang mit Kindern brauche ich eigentlich nicht viel zu schreiben. Pete liebte Kinder über alles, bei jedem Kindergeburtstag war er mit dabei. Stundenlang spielten unsere Kinder mit Pete im Garten, da gab es für keinen Langeweile und auch keine Probleme.

 

Umgang mit behinderten Menschen         

Wie schon im Vorwort erwähnt, haben wir eine geistig behinderte Tochter, Julia. Sie ist motorisch sehr unsicher und kann nur bedingt allein durch die Wohnung „stakeln“, sage ich mal. Sie hatte Ekel, alles „ plüschige“

und „fellige“ , wie z.B. Plüschtiere, Teddys, geschweige denn echtes Haar wie z.B. Katzen - oder Hundehaar anzufassen.

Unser sensibler Pete merkte, dass einer seiner Menschen nicht so war wie der Rest der Familie. Zu Anfang standen sich die beiden eher skeptisch gegenüber, Pete war sehr vorsichtig, lief Julia nicht vor den Füssen herum, wenn sie unterwegs war, er hielt immer einen „Sicherheitsabstand“. Eines Tages aber, Julia saß gerade auf dem Sofa, packte Pete sich ein Herz und zog vorsichtig ihre Hausschuhe von den Füssen, und hielt ihr den Hausschuh zum Greifen hin, und es begann ein Taueziehen, das fand Julia natürlich gut, und Pete auch. Mal gewann Pete das Taueziehen, mal gewann Julia. Dieses Spielchen ging dann auch auf Julias Spielzeug über, hier im Bild hatte er gerade Julias heißgeliebten Ernie „erobert“, er lief jedes mal mit ihm nach draußen, schüttelte ihn durch, ging dann wieder rein zu Julia und hielt ihn ihr wieder zum „Zergeln“ hin. Pete ist auch niemals sauer geworden, wenn er ein Taueziehen mit einem Schuh oder Spielzeug verloren hatte, dann holte er eben einen anderen Gegenstand, um das Spielchen fortzusetzen. Ein Eis war gebrochen und Julia honorierte es auch dementsprechend. Beim Frühstück ließ sie sich immer ein „Extra Brot oder Brötchen“ von uns schmieren. Was tat sie wohl damit ? Sie gab es Pete, darauf bestand sie auch, und Pete nahm es natürlich dankbar an. Eine neue tolle Freundschaft für Pete sowohl auch für Julia hatte begonnen. Pete war für unsere behinderte Tochter ein super Spielkamerad wie auch Therapeut, sowie auch Julia für Pete ein ausdauernder Spielkamerad in der Wohnung war.

 Wie hier auf dem Bild zu sehen ist, hat Pete bei Julia einiges bewirkt: Sie war nun in der Lage, für sie damals ungewohntes anzufassen, Julia hatte keinen „Ekel“ mehr, plüschiges oder felliges anzufassen, im Gegenteil: Sie konnte nicht genug davon bekommen, Pete zu streicheln. Zu diesem und auch viel früherem Zeitpunkt schon war Pete längst kein „Hund“ mehr für uns, er war Kumpel, Spielkamerad, ja, er war eben halt kein „Hund“ mehr für uns.  Dieses ist übrigens das letzte Foto vor Pete`s Tod. Zu diesem Zeitpunkt war er ca. 13 Jahre und 5 Monate alt.

 

Der Anfang vom Ende?!!!

Im Nachhinein sind uns einige Hinweise von Pete`s Verhalten   ca. 2 Mon. vor seinem Tod bewusst geworden.   Es fing damit an, dass er sein Lieblingsfutter verschmähte, das kam in der Vergangenheit öfter vor, wenn z.B. Hündinnen läufig

waren. Wir haben dann die Futtersorten gewechseltund dachten uns, dass ältere Hunde eben nicht mehr jedes Futter vertragen würden. Aber irgendwann kehrte er zu seiner geliebten Futtersorte zurück und fraß auch zunächst wieder gut. Beim Grillen bekam Pete immer seine Bratwurst ab, so auch bei unserem letzten Grillen. In der Nacht darauf erbrach Pete die Bratwurst durch das ganze Haus, und wieder dachten wir , das Pete so etwas auf Grund seines Alters vielleicht nicht mehr so gut verträgt. Dieses Ereignis war ca. 1 Tag vor dem 44. Geburtstag meiner Frau. Nach dem Erbrechen der Bratwurst war Pete aber wieder fit und so wie immer. Ich hatte mir vorgenommen, trotzdem den Tierarzt aufzusuchen, um der Sache auf den Grund zu gehen.

 

Ein Tag später, der 24. Sept. 2004

Meine Frau hatte für ihre 44. Geburtstagsfeier alles vorbereitet, ich hatte mit Pete vorher noch eine angemessene Runde mit dem Rad gedreht, er war am Mittag noch fit- wie gehabt. Es war so gegen 17.00 Uhr, Pete lag auf seinem Lieblingsplatz unter dem Küchentisch, die ersten Gäste waren schon da. Pete stand plötzlich auf , taumelte regelrecht in den Garten zu versuchte zu erbrechen, ohne Erfolg. Er legte sich hin, fing an zu weinen und zu stöhnen, und wir konnten ein unheimliches Gluckern aus seinem Bauchraum deutlich hören. Pete`s Blick wurde apatisch, seine Augen schrieen nach Hilfe, wie diese letztendlich auch aussehen mochte. Also ging es sofort zum Tierarzt. Eine Magendrehung war es nicht, aber als der Arzt den Bereich der Leber und der Milz abtastete, hatte Pete ein Schmerzereignis. In der Hoffnung, dass es „nur“ ein Schmerzereignis gewesen sein könnte, bekam Pete eine schmerzstillende Infusion und wir fuhren mit verschiedenen Medikamenten (Zäpfchen, Kreislauftropfen) wieder nach Hause. Dort angekommen, wollte Pete nicht mehr aus dem Auto, sein Blick war immer noch apatisch und traurig. Ich lockte Pete irgendwie aus dem Auto und er taumelte zurück ins Haus, legte sich auf seinen Lieblingsplatz unter den Küchentisch. Doch kaum lag er, scharrte er vor Schmerz mit den Vorderläufen auf dem Fußboden, er fing wieder an zu weinen und zu stöhnen, das Gluckern im Bauch wurde heftiger und eine „Schnapp-Atmung“ setzte ein. Die Infusion hatte nicht angeschlagen. Wieder dieser nach Hilfe flehende Blick, Sofort war uns allen klar: Pete durfte vieles, aber eines durfte er nicht: Leiden !!! , das hatte er nicht verdient ! Eine schnelle Entscheidung musste her, und sie wurde auch getroffen, die Entscheidung der Erlösung unseres lieben Freundes Pete. Warum berichte ich über den Tod von Pete? Ich fand seinen Tod schon fast mysteriös. Er kam am 24.09.1991,dem 31. Geburtstag meiner Frau zu uns, so gegen 17.00 Uhr waren wir aus Hameln/Weserbergland zu Hause. Am 24.09..2004 gegen 17.00 Uhr fingen seine Leiden an, ca. anderthalb Std. danach war Pete davon erlöst.

Nach Pete`s Erlösung, wir waren alle dabei, tastete der Tierarzt Pete noch einmal gründlich ab. Er stellte fest, dass sich seit dem ersten Arztbesuch und dem Zweiten, also Pete`s Einschläferung, jede Menge Flüssigkeit im Bauch angesammelt hatte. Es war also ein Tumor an Milz oder Leber, der aufgegangen war, deshalb habe die schmerzstillende Infusion auch nicht angeschlagen. Der Tierarzt ist übrigens einer der Besten hier in dar Gegend, mit Auszeichnungen usw. ,und er genießt unser vollstes Vertrauen. Sollten wir uns, evtl. 2005 noch einmal dazu entschließen, einen Hund anzuschaffen, so, lieber Pete, soll er von Deiner Rasse sein. Aber dieses mal nicht von einem Züchter, sondern wir würden lieber einer Münsterländerseele aus einem Tierheim oder einem Abgabe-Münsti aus der Patsche helfen.

 

Im Nachhinein:

Der Jagdtrieb unseres GM hielt sich in Grenzen, er hörte sehr gut und konnte auch im Wald ohne Leine „Bei Fuß“ gehen. Per Zuruf bekam ich ihn selbst von läufigen Hündinnen wieder weg. Tja, mit Belohnungen in der Tasche und etwas Geduld geht fast alles ;) Kilometerlanges Radfahren lastete Pete zwar körperlich aus, aber die eigentlichen Highlights für ihn waren Ball, Stöckchen holen und versteckte Sachen, meist Leckerli im Gebüsch zu suchen und noch einige andere Sachen. Er brauchte also viel Bewegung und auch einige Anforderungen., wo er etwas machen konnte.

Abends machte er jedenfalls einen zufriedenen und ausgeglichenen Eindruck.

Warum habe ich Pete`s Tod so genau beschrieben? Weil der Tod des geliebten Freundes von der Einen auf die andere Stunde kommen kann, wer es noch nicht kennt. Mir sind Fälle bekannt, wo die Hundehalter ihre Freunde haben lange

leiden lassen, weil sie sich nicht von ihnen trennen konnten, diese Hunde haben unnötig lange gelitten, ich denke, wenn nichts mehr zu retten ist, sollte man seinen Freund ein langes Leiden ersparen, weil er es nicht verdient hat zu leiden, oder ? So schwer wie es auch ist. Man sollte jeden Tag mit seinem Hund genießen und das Beste daraus machen, es könnte nämlich der letzte Tag sein, so schnell kann es gehen.

 

Pete, wir werden Dich nie vergessen, Du warst ein ganz Toller !!!! 

                                                        

gez. Fam. Uwe Rehberg/Harz