"Ajax Tagebuch" von Gabi Lewandrowski

 

12.03.2008

Ajax ist nun 1 Jahr alt. Sein Willen seinen Kopf durchzusetzen ist ungebrochen. Aber es macht ihm auch Spaß zu arbeiten und Erfolge sind zu sehen. Ich hatte ja schon einmal die These im Buch "Antijagdtaining" zur Generalisierung bestätigt. Die Jahreszeit und die länger werdenden Tage bieten mir endlich die Möglichkeit jeden Tag andere Übungsvarianten zu organisieren. Es ist schwierig für ihn zu lernen, dass auch auf dem Feld oder im Wald oder auf der Wiese, das Futter oder Ball erst dann kommt, wenn man zur Mama sieht. Leinenführigkeit auf diesem Gelände wächst sich zu einem einzigen Konflikt zwischen Hund und Mama aus. Aber er lernt und er macht gute Fortschritte. Am liebsten macht er Suchspiele im Wald. Selbst die Futtertasche, die ich dann tatsächlich verloren hatte und nicht wusste wo sie genau verloren ging, wurde gefunden. Er war nicht zu schaffen. Der Züchter vermutet, dass er an dieser Stelle wahrscheinliche die Gene seiner Mutter geerbt hat. Sie sucht auch mit viel Freude und sehr ausdauernd. Ruhe findet sie dann erst im Auto. Beherrscht er eine Sache halbwegs dann geht es nach Geithain ins Tiergehege. Es ist klein aber fein. Seine Aufgabe dort ist an der Leine ohne zerren und ziehen ruhig zu laufen. Und wenn dann auch noch der Blick zur Mama kommt, dann bin ich stolz. Liegen vor den Hasenställen und die Mama, die 4m weg steht ansehen, ist das Schwerste. Du glaubst gar nicht, was er sich alles einfallen lässt um diese Aufgaben zu umgehen. Beim ersten Mal benötigten wir etwa eine Stunde für etwa 100 m. Jetzt geht es schon besser. Die Ziegen werden jetzt nur noch beschnuppert und dann ignoriert, um den Strauß wird ein großer Bogen gemacht, der hat ihm beim ersten Zusammentreffen angefaucht. Die Esel sind ihm zu groß und da bleibt er doch lieber bei Mama am Knie. Nur die Hasen, Vögel und Enten sind interessant, nur warum er da nicht hindarf das versteht er einfach nicht. Mit den Nasenbären würde er gerne spielen, die rennen so schön. Die keifenden Hunde am Eingang werden nun ignoriert und da geht er nun in Ruhe vorbei. Schwierigkeiten hat er immer noch mit der Körperpflege. Wie jedes Kind betrachtet er Kämmen und Bürsten als lästig. Er musste nun lernen: Frühstück gibt es erst, wenn Ohren und Körper gebürstet und gekämmt sind. Nur bis zur Rute bin ich noch nicht vorgedrungen. Diese verweigert immer noch. Eine Sache muss ich noch berichten. Mit viel Mühe und Vorsicht habe ich im vergangenen Jahr die Wasserarbeit mit ihm betrieben. Den Winter über sah ich mich im April wieder im kalten Wasser stehen und alles von vorne zu beginnen. Nichts da. Selbst bei diesem kalten Wasser ging er rein und jagte den Enten noch das untertauchende Spielzeug wurde wieder geholt, selbst der Rückruf, den ich den ganzen Winter geübt habe funktionierte. Im letzten Jahr hatte es an dieser Stelle nicht geklappt. Damit fand ich die Bestätigung, dass man langsam und vorsichtig gearbeitet und wenn der Hund sich die Lösungen selbst erarbeiten muss, besser ist als das Aufzwingen von irgendwelchen Gehorsamsaufgaben. Vielleicht errreicht man mit dieser Methode nicht so schnell sein Ziel wie andere, aber der Hund hat Freude bei der Ausführung und mein Eindruck ist, dass er zuverlässsiger in unbekannten Situationen gewolltes Verhalten zeigt, ohne, dass man den Hund anschreien muss.

7.11.2007

Heute morgen musste ich an die Worte über die Generalisierung bei der Erziehung des Hundes und der Ausbildung aus Deinem Buch zum AJT denken. Sie wurden mir heute morgen so was von bewusst. Das Wetter verlangt gegenwärtig von uns, wenig Aufenthalt im Wald und damit habe ich weniger Wege zur Verfügung als auf der Straße, die ich nun immer gehen muss. Dabei können wir zwischen 2 Straßen wählen. Beide Straßen kennt Ajax nun in der Zwischenzeit. Auf diesen Straßen üben wir eigentlich viele spannende Dinge. Heute morgen aber musste ich in den Nachbarort mein Auto in die Werkstatt bringen. Ich habe Ajax mitgenommen und bin zurück gelaufen. Aber diese Straße und das Feld und die Wiese daneben kannte er noch nicht. Trotz Schleppleine, es war schnüffeln, ziehen, rennen angesagt. Hören war vergessen, Blickkontakt von sich aus ging nicht, es war alles viel zu interessant. Als wir dann die ihm bekannte Straße kreuzten und auf ihr weiterliefen, legte sich so richtig ein Schalter um. Ihm fiel ein, dass die Mama ja das Futter hat und das man schön neben ihr laufen muss um es zu bekommen, oder wenn ich sie anstrahle dann bekomme ich auch was, wenn die Autos uns anstrahlen, dann bleibe ich stehen und warte bis das Auto weg ist. Das bedeutet nun, das ich von vorne beginne an einer anderen Straße.

1.10.2007

Im September waren wir für eine Woche am Meer. Eigentlich war ich mehr im Meer als davor. Gespannt waren wir wie Ajax reagieren wird. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass er neuem zwar offen, aber doch vorsichtig gegenübertritt. Erst wird es mit Abstand bestaunt, dann wird mal zur Mama gesehen, ob die was macht oder sagt, dann langsam umrunden und dann ganz schnell mal anbellen und sofort hinter der Mama verstecken um zu sehen, was das NEUE macht. Bewegt es sich bleibe ich vorsichtig und taste mich heran, bewegt es sich nicht, dann wird es sofort untersucht. So also auch das Meer. Da wir zu Hause ja bereits eine umfassende Wasserarbeit geleistet haben, und er zur Wasserratte mutiert ist, waren wir gespannt. Wir wollten auch keine Vergleiche zu Lumpi ziehen. Er hatte das Meer immer mit Respekt und Vorsicht behandelt. Aber er war bei seinem ersten Kontakt auch 1 Jahr älter als Ajax. Es kam wie es kommen musste. Ansehen, der Versuch es zu umrunden, Mama ansehen, die Wellen waren etwas ungeheuerliches, sie wurden angebellt und versucht zu fangen. Aber sie ließen sich nicht fangen. Und nun wurde das Wasser gekostet. Es schmeckte ekelhaft. IN EKELHAFT SCHMECKENDES WASSER GEHE ICH NICHT. Das stand nun fest. Also suchten wir uns wieder eine ruhige Stelle und übten wieder mit ihm. Es war nichts zu machen. Aber dann bekam er mit, dass seine Futterdose im Wasser schwamm und schon war er drin. An diesem Nachmittag ging der Weg zum Futter nur über Schwimmübungen mit Mama. Ich hatte dabei auch einige Schrammen abbekommen, weil natürlich der Weg gleich mal über meinen Rücken zur Dose ging. Aber es blieb erstmal dabei. Ins Wasser ging es nur wegen Futter aber nicht zur Abkühlung oder wegen sportlicher Aktivitäten. Zu Hause angekommen mussten wir erleben, dass Ajax bevor in seinen Teich sprang erst das Wasser kostete. So gesehen wird wahrscheinlich ab sofort die Badefähigkeit von Gewässern nach dem Geschmack des Wassers bestimmt. Ich bin gespannt auf die nächste Badesaison.

3.8.2007

Ajax ist nun 7 Monate alt und wir arbeiten wie die Teufel. Grundgehorsam, Spiele mit Spielregeln die von mir bestimmt werden, Suchspiele und natürlich auch ausruhen. Er kommt immer noch nicht alleine zur Ruhe. Ich muss mich dazu setzen oder legen, wenn ich weg gehe ist er sofort da um wieder den Kontakt zu mir zu suchen. Zweimal hatte ich schon überraschend Wildkontakt und natürlich gerade die Leine laufen lassen, so dass ich nicht schnell genug ran kam, ein losstürzen war sofort angesagt. Auf mein Rufen DANN GEHE ICH EBEN HIER LANG und wegdrehen und andere Richtung einschlagen wurde im Sturmschritt die Richtung gewechselt und hinter mir hinterher gerannt. Es war bestimmt Zufall, dass es geklappt hat. Aber ohne Mama geht nichts. Heute morgen habe ich erstmal intensiv gemerkt, dass er wahrscheinlich langsam lernt, dass er ein Jagdhund ist. Von der Katze auf der Strasse lies er sich fast gar nicht ablenken, was sonst immer geklappt hat und die Enten auf den See wurden heute angepirscht und umkreist bevor man ihnen ins Wasser nachsetzte. Aber das Wasser war ihm offensichtlich zu kalt, so dass man sich doch lieber das Futter abholte.